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(Update) Raymarine SPX 5 Radpilot - Technikzwerg und Steuerriese
Teststatus:Testbeginn März 2009 - Rückstufung von Bestnote auf Befriedigend im April 2010 - Testende 03.2012
 Produkt und Preis: Raymarine Radpilot SPX 5, ca. 13250,-- €
Herstelleradresse und/oder Händler: www.raymarine.com
www.eissing.com
Einsatzbereich: Der Raymarine SPX 5 ist der Nachfolger des mängelbehafteten Autohelm 4000. Er ist als vollwertiger Autopilot für kleinere Yachten bis 7,5 Tonnen Gewicht konzipiert.
KaufmotivationDa wir meist zu zweit unterwegs sind, darf im Prinzip eines nicht passieren, nämlich das der Autopilot ausfällt. Wir wären mit unseren Kräften sehr schnell am Ende, müssten wir eventuell auch noch unter schwierigen Bedingungen, rund um die Uhr steuern.
So waren wir auf der Suche nach einem einfach zu installierendem und preiswerten Backup System für unseren Katamaran einer Privilege 37.
Eigentlich ist der SPX 5 für unsere Schiffsgröße unterdimensioniert. Da wir über sehr leichtgängige vorbalancierte Ruder verfügen, die mit wenig Kraftaufwand bedient werden können reicht der SPX 5 hierfür dennoch vollkommen aus.
Bei einem vorbalanciertem Ruder ist der Ruderstock ca. im letzten Drittel des Ruders durch das Ruder geführt. So unterstützt die Strömung gleichzeitig das Ruder bzw. ist wesentlich weniger Druck am Ruderschaft vonnöten um eine Richtungsänderung vorzunehmen. (siehe Bild rechts)
Beschreibung FunktionsweiseDer SPX 5 ist ein vollwertiger Autopilot der über alle gängigen Funktion verfügt.
Automatische Steuerung per Kompasskurs.
Automatische Steuerung als Windpilot wobei er einen vorgegebenen Windwinkel strikt einhält.
Automatische Steuerung per Chartplotter mit Verfolgung einer vorgegebenen Route.
Zusätzlich kann er einfach in das Raymarine Seatalk System eingebunden werden und fast alle im System verfügbaren Daten anzeigen.
Umweltaspekte: Die Verpackung war aus Kartonage, fast kunststoffrei und somit ökologisch korrekt. Volumen und Material sind ausgesprochen gering somit fällt auch im Falle einer Entsorgung relativ wenig Müll an.
Darüber hinaus ist der Energieverbrauch äußert gering und kann in unserem Falle z.B. leicht durch die Solarpaneele oder die beiden Windgeneratoren versorgt werden.
Lieferung und Lieferumfang: Der Lieferumfang war vorbildlich, alle zur Installation benötigten Teile inklusive einer Reservesicherung (habe ich noch nie erlebt) lagen bei. Lediglich die Stromzuführung und die Erdung sind selbst herzustellen.
Bedienungsanleitung: Die Bedienungsanleitung teilt sich wie bei Raymarine üblich, in ein übersichtliches Anwenderhandbuch und ein separates Händlerhandbuch mit den Installationsdetails. Eine kluge Vorgehensweise, kommen so die Anwender gerade auf Charteryachten nicht auf die Idee die Systemeinstellungen zu manipulieren, was meist nur mehr Verwirrung als Nutzen stiftet.
Beide Handbücher sind exzellent geschrieben, (uns lag zum Testzeitpunkt nur die englische Ausgabe vor) sie enthalten alles nötige genau so detailliert wie nötig. Studiert man diese sorgfältig hat man gleich noch einen kleinen Kurs in Navigation absolviert.
Einzig wie der Autopilot zu befestigen ist, erschließt sich aus den Zeichnungen nicht eindeutig. Hier wäre ein Photo äußerst hilfreich.
Installation Die Installation ist für jeden Laien, vor allem wenn eine Steuersäule vorhanden ist leicht zu bewältigen. In unserem Falle mussten wir erst eine spezielle Halterung fertigen lassen aber auch dies stellte keine besondere Herausforderung dar.
Vor allem die Halterungen für die Steuerradeinheit sind so flexibel gestaltet, daß es kaum ein Steuerrad geben dürfte wo der SPX 5 nicht montiert werden könnte.
Wir haben uns dafür entschieden, nur die Antriebseinheit mittels einer Halterung aus Edelstahl durch die der Motor einfach gesteckt wird, zu fixieren. Der beigefügte Fixierungsstift wäre nur mit viel Aufwand passend zu montieren gewesen.
Geduld war nötig als wir die Justierungsfahrt durchgeführt haben. Laut Handbuch sollten maximal 27 Zyklen notwendig sein, in unsrem Falle hat es jedoch 86 Zyklen und ca. 1 Stunde gedauert bis der Statistikspeicher zufriedenstellend gefüllt war. Also hier nicht zu schnell abbrechen.

Design: Das Design der sichtbaren Radeinheit des SPX 5 ist hervorragend gelungen. Es wird nicht als Fremdkörper am Ruder empfunden und wertet viele Steuerstände mit Sicherheit eher auf, als das es diese beeinträchtigen würde.
Welche Eigenschaften sind hervorzuheben bzw. besonders gut gelöst: Am meisten beeindruckt hat uns die Windfahnensteuerung die sowohl bei hohen Windstärken als auch bei wenig Wind unabhängig vom eingestellten Windwinkel absolut zuverlässig gearbeitet hat.
Hervorzuheben ist auch der geringe Energieverbrauch, der je nach Modi noch durch die einstellbare Reaktionsträgheit erheblich verringert werden kann. Lediglich im Bereich der Windfahnensteuerung sind hier engere Grenzen gesetzt.
Welche Eigenschaften fehlen oder sind verbesserungswürdig: Vom Vorgänger übernommen hat der SPX 5 leider die etwas unangenehmen Arbeitsgeräusche. Steht man für Stunden in der Nähe des Gerätes auf Ruderwache, dann kann einem das "Quitschen" schon ein wenig auf die Nerven gehen. Dies betrifft vor allem den Windfahnenmodus wo eine relative hohe Reaktionsgeschwindigkeit bzw. Aktivität einzustellen ist.
Wir würden uns noch beleuchtete Tasten wünschen und eine zusätzliche Beschriftung für die verschiedenen Tastenkombinationen z.B. für die Umschaltung in den Windfahnensteuerungsmodus oder zur Einleitung einer Wende.
Nicht überzeugend waren bisher die Defekte im Bereich der Kraftübertragung.
Welche Fehler sind aufgetreten:Gleich bei der zweiten Testfahrt viel das Planetengetriebe aus. Die genaue Ursache hierfür konnte sich nicht feststellen lassen.
Unter den ungleich härteren Bedingungen der Überfahrt von den Kanaren nach Westafrika traten hiermit keinerlei Probleme mehr auf.
Service: Raymarine ist zwar mit vielen Servicestützpunkten weltweit vertreten aber zumindest auf Gran Canaria und Teneriffa konnten wir keine kompetente Unterstützung bzw. Hilfe finden.
Der Techniker in Gran Canaria kannte das Gerät nicht, hatte noch nicht einmal davon gehört und war auch nicht Willens es aus- oder einzubauen. Auch die Garantiekarte führte nur zum lockerem Schulterzucken. Die Ersatzteilbestellung wollte er zwar durchführen, diese sollte aber mindestens 14 Tage dauern. Nach unseren Erfahrungen in Spanien mit allem was nicht sofort erledigt werden kann lehnten wir dankend ab. Zudem sollten wir eine Portopauschale von rund 50,-- € entrichten.
Noch schlechter waren unsere Erfahrungen in Teneriffa. Wieder kannte der Techniker das Produkt nicht und diesmal sollten wir gleich vorab rund 112,-- € bezahlen. Dieses wollte er uns als die offizielle Pauschale die Raymarine für jede Garantieabwicklung verlange verkaufen. Auf eine Lieferzeit lies er sich nicht festlegen, der versprochene Rückruf erfolgte nicht. Auch einen Aus- bzw. Wiedereinbau des defekten Teiles wollte er nicht durchführen. Wir haben dankend verzichtet.
Raymarine sollte sich um höhere Standards bei den Partnerbetrieben (Wir wissen wie schwer das ist) kümmern. In Malta und Sizilien mussten wir bereits ähnlich schlechte Erfahrungen mit Raymarinevertretern machen. Wirklich kompetent war bisher nur der Raymarinepartner in Lanzarote, das dieses mal leider zu weit vom Weg lag.
Wir haben uns dann von Gomera aus an die Firma Eissing in Deutschland gewandt. Dort war sofort ein kompetenter Techniker zur Verfügung der uns die nötigen Bestellnummern übermittelte und innerhalb einer Woche erreichten uns die beiden benötigten Ersatzteile in gewohnter deutscher Zuverlässigkeit.
(Bild rechts, in der Gehäuseabdeckung ist eine Reservesicherung integriert)
Hervorheben wollen wir nochmals, das das Gerät so klar und benutzerfreundlich konstruiert ist, das die Reparatur ohne großen Aufwand von uns selbst durchgeführt werden konnte.
Lediglich das Einsetzen der Kugeln in das Gleitlager bereitete uns Probleme, aber nach Rücksprache mit dem Techniker von Raymarine war dies viel einfacher (der Ring wird eingelegt und die Kugeln einfach von oben dazwischen gepresst) als es den Anschein hatte. Hier wäre noch ein kleiner Hinweis im Händlerhandbuch angebracht.
Meine persönliche Nautictestwertung:
Der Raymarine SPX 5 hat uns in jeder Hinsicht positiv überrascht. Bereits auf unserem ersten längerem Törn (1000 Meilen) von den Kanaren nach Dakar musste er ungewollt seine Feuerprobe bestehen. Die Hydraulikeinheit unseres Simrad Autopiloten viel nach wenigen Tagen aus und so musste der SPX 5 die restlichen 600 Meilen bewältigen.
Bei hohem Wellengang und Windstärken bis etwas über 30 Knoten hat er diese Aufgabe in allen verfügbaren Modi geradezu perfekt bewältigt. Vor allem die Windfahnensteuerung nötigte uns höchsten Respekt ab. Kein einziges Mal mussten wir hier korrigierend eingreifen und so konnten wir bei 30 Knoten Rückenwind noch problemlos im Schmetterling auf den Wellen surfen, was per Hand übrigens kaum zu bewältigen war.
Vorbei sind also die Zeiten in denen kleine Yachten in Punkten wie Sicherheit und Steuerkomfort das Nachsehen hatten. Der Raymarine SPX ist nach unseren bisherigen Erfahrungen ein leistungsfähiges Produkt. Leider hakt es noch bei der Zuverlässigkeit, so empfiehlt es sich für jeden Nutzer der das Gerät als Hauptgerät einsetzen möchte, die unten abgebildeten Teile als Ersatz mitzuführen.
Zusammen mit der hervorragenden Ausstattung und der gelungenen Dokumentation bleibt nur zu wünschen das die Geräuschentwicklung noch ein wenig optimiert wird.
(Bild rechts) Wir haben noch gut lachen, dank unseres für den Notfall installierten SPX 5 haben wir Westafrika ausgeruht und wohlbehalten erreicht.

Zeitliche Verfolgung:
April 2010Leider mussten wir im Rahmen unserer Atlantiküberquerung zum zweiten mal negative Erfahrungen mit der Haltbarkeit der verwendeten Bauteile im Bereich der Kraftübertragung machen. War gleich zu Beginn das Getriebe defekt, so riss nun der Antriebsriemen. Die Ursache war wohl Verschleiß. Zusätzlich zerbrach auch das Antriebsrad. Anscheinend hatte sich das gerissene Antriebsband verhakt wobei durch den enormen Zug das Antriebsrad dann wohl ebenfalls brach.
Das ist äußerst bedauerlich, die ursprünglich vergebene Höchstbewertung haben wir bis zur Klärung der Ausfälle zurückgenommen und auf befriedigend gesetzt. Die bisherigen Schäden waren zumindest leicht reparabel und entsprechende Ersatzteile wie ein Ersatz Antriebsriemen sollten nach dieser Erfahrung immer mitgeführt werden und meines Erachtens zum Lieferumfang gehören.
Vergleichen wir dies mit der Automobilbranche dann wird niemand akzeptieren das die Steuerung nach weniger als 3.500 km bereits zum zweiten mal ausfällt.

Autor: Paul Wirkus - Katamaran Mupfel Ort: Senegal/Dakar Datum: 02.12.2009
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